Anlagenbuchhalter-Tagung 2015 in Weinheim

Eingespieltes Team richtet Anlagenbuchhalter-Tagung 2015 aus

Besucherzahl in Weinheim erneut gestiegen – Termin 2016 in Bonn.

Zum bereits 6. Mal fand die Anlagenbuchhalter-Tagung bei der Unternehmensgruppe Freudenberg in Weinheim statt. Die Ausrichter der zweitägigen Veranstaltung Ende Oktober sind ein eingespieltes Team: der BVBC, die EMAA und Freudenberg IT (F-IT). Deren Vertreter – Marcus Stotz (Regional CFO Europe, Finance & Business Administration der F-IT), Markus Kessel (BVBC-Geschäftsführer) und Uwe Jüttner (EMA®, EMAA-Präsident, Organisator und einer der Tagungsreferenten) – begrüßten 122 Teilnehmer. Was zugleich bedeutet: Zum 6. Mal stieg die Zahl der Besucher.
Jüttner eröffnete die Vortragsreihe mit den Problemen bei der Anwendung des GWG-Wahlrechts. Viele Mitarbeiter in der Anlagenbuchhaltung müssten sich zu intensiv um GWGs kümmern, daher fehle Zeit für wichtige Bilanzierungs- und Bewertungsfragen.
Stephanie Jana (Handelshochschule Leipzig) befasste sich mit Praxisproblemen bei der Folgebilanzierung von Sachanlagen nach IFRS. Sie präsentierte die Anschaffungskostenmethode mit der planmäßigen und außerplanmäßigen Abschreibung, den Komponentenansatz in der Abschreibung sowie die Neubewertungsmethode.

Prof. Dr. Klaus Hahn lieferte einen Überblick zum neuen BilRUG – BilanzRichtlinienUmsetzungsGesetz. Die wesentlichen Neuregelungen im Einzelabschluss sehen eine Anhebung der Größenklassen für kleinere und mittelgroße Kapitalgesellschaften vor, weiterhin Änderungen in der Bilanzierung immaterieller Vermögensgegenstände und damit verbundene Anhangsangaben. Aus dem Blickwinkel der Anlagenbuchhaltung ändert sich vor allem der Aufbau des Anlagenspiegels, worin zukünftig die Abschreibungen des Jahres ausführlicher erläutert werden müssen.  Guido Kleinhietpaß (Controller-Akademie) referierte über die Instrumente der Investitionsbeurteilung. Er beschrieb Bedeutung, Relevanz, Ziele und Definition der Investitionsrechnung sowie den Ablauf des Investitions-Controlling.
Uwe Jüttner erläuterte in seinem zweiten Vortrag, wie sich die Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie Nebenkosten bei Gebäudeinvestitionen zusammensetzen. Wie funktioniert die Umlage von Baustrom, -wasser, -reinigung oder die Bereitstellung von Müllcontainern für Baufirmen? Wie werden Bauwesenversicherungen sowie Gewährleistungs- und Sicherheitsbürgschaften in den Anzahlungen und Schlussrechnungen korrekt berücksichtigt? Jüttner gab Tipps für Anlagenbuchhalter und – aus umsatzsteuerlicher Sicht – für Kreditorenbuchhalter.  Die korrekte Versicherung des Anlagevermögens war das Thema von Matthias Lesch (Versicherungsmaklerbüro modus.Matthias Lesch GmbH). Er sprach über Industrieversicherungen und Versicherungssummen, die häufig von den Anlagenbuchhaltern anhand von Bestandslisten ermittelt werden und Wertveränderungen der Wiederbeschaffungswerte berücksichtigen sollen.

Sandra Hübner (Anlagenbuchhalterin vom Düsseldorf Flughafen) und Udo Terhuven (Produkt Manager der F-IT) stellten das barcodebasierte Anlageninventursystem (AIS) der F-IT vor. In der Vergangenheit wurde die Inventur zeit- und personalintensiv anhand von Bestandslisten aus dem SAP-System durchgeführt. Die Inventuren waren sehr ungenau und teils fehlerhaft. Hübner zeigte unter anderem auf, wie sie ein umfangreiches Inventarisierungshandbuch erstellt hat, das auch fachkundigen Dritten ein schnellen Einblick in die Inventur des Flughafens gibt.  Bei Schadensfällen kann es zur Aufdeckung stiller Reserven kommen. Dipl.-Fw. StB Wolfgang Börstinger (Mannheim) referierte über die Bildung und Übertragung solcher stillen Reserven im Handels- und Steuerrecht sowie im IFRS. Er erklärte, wie steuerfreie Rücklagen in der Steuerbilanz funktionieren und wie Rücklagen für Ersatzbeschaffung und Reinvestitionen zu bilden sind.
Erneut Uwe Jüttner widmete sich der SAP-Anwenderpraxis. Zunächst zeigte er anhand eines Beispiels, wie die lineare Gebäudeabschreibung nach § 7 Abs. 4 EStG korrekt berechnet wird. Dann präsentierte er den Teilnehmern, wie Gebäude im SAP-System mit Hilfe der Haupt- und Unternummerntechnik angelegt werden müssen. Um mehrere Anlagenstammsätze im SAP-Anlagenwirtschaftssystem FI-AA zusammenzufassen, wurde dargelegt, wie die Nutzung von Anlagenkomplexen und Anlagenübernummern funktioniert.
Axel Uhrmacher (EMA® und BVBC-Bildungsreferent) erklärte, wie Bilanzanalyse und Bilanzkritik gelingen. Welche Aussagekraft haben Kennzahlen, wie sind stille Reserven im Anlagevermögen zu erkennen und zu bewerten und wie betrachten potenzielle Anleger die Bilanz, wenn sie auf das Anlagevermögen schauen? Uhrmacher legte den Schwerpunkt auf die Kennzahlen rund um das Anlagevermögen.  Dipl.-Fw. StB Wolfgang Börstinger erklärte in seinem zweiten Vortrag, wie Erhaltungsaufwand von Herstellungkosten zu unterscheiden ist. Mit Hilfe eines Lehrbeispiels beschrieb er den Umgang mit Betriebsvorrichtungen, Scheinbestandteilen und sonstigen Mietereinbauten und -umbauten.
Jüttner schließlich schloss den Reigen der Vorträge mit einem Wissens-Update für Anlagenbuchhalter. In Stichworten: > der Herstellungskostenbegriff im Steuerrecht > ein Sachstand der geplanten Leasing-Neuerungen im IAS 17, die voraussichtlich im ersten Quartal 2016 in Form eines neuen Entwurfs des IASB vorgestellt werden sollen > die Entwicklung der Einheitsbewertung in Deutschland.
Auch diese „Anbu-Tagung“ bot den Teilnehmern – neben zahlreichen Fachinfos – hinreichend Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch. Die nächste Tagung ist schon angesetzt: für das Frühjahr 2016 als Anlagenbuchhalter-Forum beim BVBC-Kongress und der ReWeCo in Bonn (14. bis 16. April).  Wer die jüngste Anbu-Tagung verpasst und Interesse an den Vortragsunterlagen hat: Den kompakten Tagungsordner gibt es für EUR 49,95 (inkl. UST und Versand) beim BVBC unter mandt@bvbc.de.