{"id":2288,"date":"2015-09-30T15:13:47","date_gmt":"2015-09-30T14:13:47","guid":{"rendered":"http:\/\/emaa.de\/?p=2288"},"modified":"2016-03-06T11:44:46","modified_gmt":"2016-03-06T10:44:46","slug":"warum-schweden-nicht-nein-sagen-und-deutsche-zu-direkt-sind","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/emaa.de\/?p=2288","title":{"rendered":"Warum Schweden nicht Nein sagen und Deutsche zu direkt sind"},"content":{"rendered":"<p>Schweden und Deutsche stehen sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell sehr nahe. Und dennoch sind manche Unterschiede so signifikant, dass sie zu Verwirrung f\u00fchren k\u00f6nnen. Oder wann haben Sie zuletzt einmal einen Schweden mit Nein antworten geh\u00f6rt?<\/p>\n<p>\u201eSchauen wir mal.\u201c \u201eDas k\u00f6nnte schwierig werden.\u201c \u201eDas w\u00fcrde ich gern erst noch einmal mit einem Kollegen abstimmen.\u201c Das alles sind realistische Antworten, die man Ihnen entgegnen k\u00f6nnte, wenn Sie in Schweden ein Produkt verkaufen, einen Vertrag abschlie\u00dfen oder auch nur einen konkreten Termin best\u00e4tigt haben m\u00f6chten. F\u00fcr den Direktheit gew\u00f6hnten Deutschen kann dies mitunter zu Irritationen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Aber wie sieht eigentlich\u00a0typisch schwedische oder deutsche Kommunikation aus? Wie \u00fcberwindet man die interkulturellen Hindernisse und schafft eine gute Zusammenarbeit? Zu diesem Thema haben wir Ninni L\u00f6wgren Tischer befragt. Sie ist Abteilungsleiterin Market Entry &amp; Business Development bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, <a href=\"http:\/\/www.handelskammer.se\/de\/news\/businessf%C3%BChrer-f%C3%BCr-bessere-gesch%C3%A4fte-schweden\">Buchautorin<\/a> und Expertin rund um das Thema deutsch-schwedische Interkulturalit\u00e4t. Als Deutsch-Schwedin ist sie mit den Gepflogenheiten beider L\u00e4nder auch pers\u00f6nlich bestens vertraut.<\/p>\n<p>Ninni L\u00f6wgren Tischer: Als Schweden sagen wir Nein, nur h\u00f6rt man das als Deutscher vielleicht nicht. Der Schwede verpackt sein Nein f\u00fcr gew\u00f6hnlich einfach anders. Da hei\u00dft es dann an Stelle eines Neins eher, dass es schwierig werden k\u00f6nnte. Der Deutsche ist hingegen f\u00fcr seine direkte Kommunikation bekannt und ein Nein wird gern direkt ausgesprochen. Kulturell betrachtet ist das ganz nat\u00fcrlich. Der Schwede ist in einem fl\u00e4chenm\u00e4\u00dfig gro\u00dfen Land nur einer von wenigen. Auf den gemeinsamen Konsens wird daher sehr geachtet, damit alle Zahnr\u00e4der geschmeidig ineinandergreifen. Niemand ist mehr wert als der andere. Der Deutsche wiederum ist einer von gut 80 Millionen und von klein auf darauf gepr\u00e4gt, ein individuelles Gesicht in der Menge zu sein. Dazu geh\u00f6rt eine klare und deutliche Kommunikation und sich vom Mainstream abzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet das auf der Arbeitsebene f\u00fcr die l\u00e4nder\u00fcbergreifende Zusammenarbeit?<\/strong><\/p>\n<p>Vorweg m\u00f6chte ich sagen, dass es niemals um die Frage nach richtig oder falsch geht. Der Schwede vermeidet in der Regel das Nein, weil er doch eher konfliktscheu ist. Er sucht einen gemeinsamen Weg, mit dem sich alle wohlf\u00fchlen. Der Deutsche pusht den Konflikt und sieht in ihm alles andere als ein Problem, sondern vielmehr ein Werkzeug, welches ein gutes Resultat zutage bringt. Und das ist eine wesentliche Gemeinsamkeit, auf die sich beide Parteien fokussieren sollten: ein gutes Ergebnis z\u00e4hlt n\u00e4mlich in beiden Kulturen. Nat\u00fcrlich kann eine so unterschiedliche Kommunikation auch zu Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren. Windet sich der Schwede manchmal um eine konkrete Antwort herum, weil er vorher noch mit seinen Kollegen reden m\u00f6chte, k\u00f6nnte beim Deutschen der Eindruck von Inkompetenz oder auch von mangelnder Entscheidungsbefugnis entstehen. Andersherum kann sich der Schwede von der direkten Kommunikation des Deutschen schlichtweg \u00fcberfordert, \u00fcberrannt und \u00fcbergangen f\u00fchlen. Sicherheit, Stabilit\u00e4t und Langsichtigkeit stehen f\u00fcr Deutsche h\u00e4ufig im Vordergrund. Meist sind diese Werte positiv, aber sie k\u00f6nnen auch zu einer Angst vor falschen Beschl\u00fcssen f\u00fchren. Wenn rund um eine Entscheidung Unsicherheit herrscht, kann die deutsche Antwort leicht zum Nein tendieren. Schweden sollten daraus lernen, ihre eigenen Vorschl\u00e4ge stets gr\u00fcndlich auszuarbeiten und gut vorbereitet in Verhandlungen zu gehen.<\/p>\n<p><strong>Welche Ratschl\u00e4ge haben Sie, um diese interkulturellen Kommunikationsh\u00fcrden zu \u00fcberwinden?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, man kann es ganz konkret in drei Schritten zusammenfassen. Erstens sollte sich jeder bewusst machen, dass das Gegen\u00fcber anders kommuniziert. Zweitens: Nehmen Sie keine Bewertung der Kommunikation des anderen vor und akzeptieren Sie drittens, dass man diese ohnehin nicht \u00e4ndern kann. Das gilt selbst dann, wenn die Zusammenarbeit auf einer gemeinsamen Sprache wie beispielsweise dem Englischen stattfindet. Danach kann man sich auf die Optimierung des Zusammenspiels konzentrieren. Ein gutes Resultat steht, wie schon gesagt, in beiden Kulturen ganz oben auf der Agenda und kann somit die gemeinsame Zielsetzung sein. Auf dem Weg dorthin sollte sich jeder so bequem und wohl wie m\u00f6glich f\u00fchlen. Das kann bedeuten, dass der Deutsche eben eher die Organisation \u00fcbernimmt, beispielsweise das Aufsetzen einer Tagesordnung oder das Protokollf\u00fchren. Dagegen hat ein Schwede nichts, er macht es halt nur nicht. Weiterhin kann der Schwede die flexibleren Parts \u00fcbernehmen, ein aktives Brainstorming leiten. Somit k\u00f6nnen beide Kulturen ihre St\u00e4rken ausspielen und ein super Arbeitsergebnis f\u00fcr beide Parteien erreichen.<\/p>\n<p><strong>Schwedisch-deutscher Businessf\u00fchrer<\/strong><\/p>\n<p>Sie wollen auf dem schwedischen Markt erfolgreich sein? Dann ist es wichtig, die Codes und Gepflogenheiten der Gesch\u00e4ftswelt zu verstehen. Im schwedisch-deutschen Businessf\u00fchrer gibt Ninni L\u00f6wgren Tischer Tipps f\u00fcr gute Gesch\u00e4ftsbeziehungen.<\/p>\n<p>Ninni L\u00f6wgren Tischer, Deutsch-Schwedische Handelskammer (Hg.)<br \/>\nDer schwedisch-deutsche Businessf\u00fchrer + Din guide till tysk aff\u00e4rskultur<br \/>\nF.A.Z.-Verlag, 2013<br \/>\nISBN 978-3-89981-306-7<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schweden und Deutsche stehen sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell sehr nahe. Und dennoch sind manche Unterschiede so signifikant, dass sie zu Verwirrung f\u00fchren k\u00f6nnen. 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